Den Arztberuf zukunftsorientiert weiterzuentwickeln bedeutet auch, Nachhaltigkeit im Blick zu haben. Drei einfache Möglichkeiten von Dr. Sarah Hermle.
Unser Gesundheitswesen hat mit ca. 5% Anteil keinen geringen Einfluss auf den Klimawandel. Führend ist hierbei die Verordnung von Medikamenten, die Mobilität der Patientinnen und Patienten sowie des Personals und das Heizen. In der Jungen Kammer in Südbaden haben wir uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und auch in ärztlichen Fortbildungen rückt Nachhaltigkeit erfreulicherweise immer mehr in den Fokus.
Wie kann ich aber als Arzt oder Ärztin möglichst einfach einen Beitrag zur CO2– Reduktion leisten? Ich bin hierbei auf drei Maßnahmen gestoßen, die ich als Ärztin in der Hausarztpraxis gut in meinen Alltag integrieren kann.
Inhalativa ohne Treibhaus-Aerosole
Insbesondere die Verordnung von Inhalativa spielt beim CO2-Fußabdruck eine bedeutende Rolle. Bei vielen Patientinnen und Patienten gibt es die Möglichkeit, Pulverinhalatoren anstatt von Dosieraerosolen zu verwenden und somit den CO2-Ausstoß um ein Vielfaches zu reduzieren, da Pulverinhalatoren zur Freisetzung des Wirkstoffes keine Treibhausgase verwenden. Anschaulich zeigt dies die folgende Abbildung. Sie zeigt die CO2-Ersparnis/Jahr bei täglicher Verwendung eines Inhalators.

Klimafreundliche Ernährung
Die „Planetary Health Diet“ beschreibt eine wissenschaftlich fundierte Ernährungsform, die gleich drei starke Vorteile mit sich bringt. Der Speiseplan besteht größtenteils aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und hochwertigem Pflanzenöl. Er enthält geringe bis moderate Mengen an Fisch und Geflügel sowie keine oder nur geringe Mengen an rotem Fleisch, an verarbeitetem Fleisch, Salz, zugesetztem Zucker und Weißmehlprodukten. Neben der CO2-Einsparung von jährlich ca. 500kg pro Person hat die „Planetary Health Diet“ noch zwei großartige Effekte: Mit dieser Ernährungsform könnte im Jahr 2050 die gesamte Weltbevölkerung von geschätzt 10 Milliarden Menschen ernährt werden. Zudem kann das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen deutlich gesenkt werden. Weltweit könnte es 15 Millionen weniger Todesfälle durch die Reduktion von kardiovaskulären Erkrankungen geben.
Mehr Alltagsbewegung für Klima und Körper
Die dritte Maßnahme, die man nicht nur den Patientinnen und Patienten, sondern auch sich selbst an Herz legen kann, ist, soviel wie möglich auf das Auto zu verzichten. Das verringert nicht nur den CO2-Ausstoß, auch diese Maßnahme hilft wirkungsvoll bei der Vorbeugung von kardiovaskulären Erkrankungen.
Nicht immer bleibt im Alltag die Zeit, diese Maßnahmen mit den Patientinnen und Patienten in Ruhe zu besprechen. Da es jedoch in der Hausarztpraxis oft um Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen geht, braucht der Hinweis auf den Zusatznutzen für unser Klima bei Verzicht auf das Auto oder die Umsetzung der „Planetary Health Diet“ nicht so viel mehr Extrazeit. Ebenso besteht kein Zeitunterschied bei der Verordnung von Dosieraerosolen oder Pulverinhalatoren.
Die Möglichkeit, auf diesem Wege den eigenen Fußabdruck zu reduzieren, kann für viele Patientinnen und Patienten eine extra Motivation sein.
Quellen: healthforfuture.de, S2k-Leitlinie Klimabewusste Verordnung von Inhalativa
